Grabdenkmal in Erinnerung an Hans Hansen Fischer
Seit einiger Zeit steht ein Grabdenkmal in Erinnerung an Hans Hansen Fischer auf dem Friedhofsvorplatz der St. Marien Kirche zu Hürup.
Auf dieser Seite können Sie mehr über die Person Hansen Fischer erfahren.
Grabdenkmal auf dem Friedhofsvorplatz der St. Marien Kirche zu Hürup
Dieser Stein steht in der Einfahrt Weseby 5
Wer war Hans Hansen Fischer?
- geboren am 01.03.1793 in Flensburg Klues im Kirchspiel Bau
- gestorben am 29.04.1876 in Flensburg, Norder St. Jürgen, Kirchspiel Adelby, Flensburg
- Hans Hansen Fischer war Sohn eines armen Tagelöhners und arbeitete früh als Hirtenjunge beim Arbeitgeber seines Vaters, dem Kaufmann Hans Johann Boysen.
- 1804 starb sein Vater. Da war Hans 11 Jahre alt. Er hatte das Glück, ganz in die Familie des Kaufmanns Boysen aufgenommen zu werden. Hans besuchte dann eine Schule im Heiligengeistgang in Flensburg.
- 2 Jahre nach der Konfirmation kam er als Comtoirgehilfe bei Bierbrauer Tramsen und danach beim Kaufmann Jacob Petersen-Schmidt unter. Er lernte Englisch und wollte 1819, mit 26 Jahren, nach Westindien gehen. Er bekam dann aber ein Stellenangebot in Bergen in Norwegen als Aufseher in einer Brennerei und Brauerei. Die Stelle gefiel ihm nicht und so ging er nach nicht einmal 1 Jahr nach Trondheim. Dort machte er einen Handel mit Landesprodukten und Korn auf. Anscheinend war er auch Schiffsmakler.
- Nach 10 Jahren kam er mit 43.000 Mark nach Altona, wo er einen ähnlichen Handel versuchte.
- 1831 kaufte er das adelige Gut Wesebygaard (im Kirchspiel Hürup). Dort lebte und wirtschaftete er 32 Jahre.
- 1863 verkaufte Hans Hansen Fischer seinen Besitz und zog nach Flensburg, wo er 1873 verstarb.
Luftaufnahme Gut Weesebygaard Mitte der 50er Jahre
Dieses Gemälde aus 1949 befindet sich in Privatbesitz
Wie sah es zu der Zeit in Angeln und Europa aus?
Als Hans Hansen Fischer 6 Jahre alt war, übernahm Napoleon durch einen Staatsstreich in Frankreich die Macht. Napoleon überzog Europa mit einer Serie von Kriegen bis 1812 der Russlandfeldzug kam. Dänemark war von 1807 – 1814 Verbündeter von Frankreich. So kämpften auch Männer aus dem Raum Angeln als dänische Soldaten unter Napoleon, unter französischer Flagge. Sie kamen aber nur bis Pommern.
1823 brachen die Kornpreise zusammen. Viele Bauern in Angeln verloren ihren Hof. Nach den langen Kriegen wurde das gesamte Privateigentum der Bürger mit Zwangsanleihen belastet, was eine große Armut im Land bewirkte, da viele Leute diese Schulden nicht begleichen konnten.
In der Nacht vom 18./19. Juli 1850 besetzten dänische Soldaten Hürup und rückten nach Süden vor. Am 25. Juli kam es zur Schlacht bei Idstedt.
Dänische Soldaten verhafteten die sogenannten „Wühler“, die gegen den dänischen Staat intrigiert hatten. Die Gefangenen wurden in Husby in der Kiesgrube interniert. In der Schule und in der Kirche sollte Dänisch gesprochen werden.
1864 änderte sich das.
Zurück zu Hans Hansen Fischer
1876 hinterließ er ein Erbe von 150.000 Mk Courant. Das entspricht laut Google einer heutigen Kaufkraft von etwa 1 Million €. Durch die große Inflation nach dem 1. Weltkrieg im November 1923 (Währungsreform) und des Zusammenbruches des deutschen Reiches 1945 und der damit verbundenen Abwertung (Einführung der DM, 1948) ist das Stiftungskapital leider sehr zusammengeschmolzen. Trotzdem hat die Kirchengemeinde Hürup regelmäßig zu Weihnachten bis 1976 Geld für „verschämte Arme“ aus der Stiftung erhalten.
Dieses Erbe von Hans Hansen Fischer wurde 1876 in die Stiftung Gottesgabe übergeben. Zu Lebzeiten hatte Hans Hansen Fischer verfügt, dass 3 Kuratoren alles verwalten.
Die Zinsen sollten zu einer Hälfte für wohltätige und humane Zwecke verwendet werden.
- 3/10 sollte an das Martinsstift gehen
- 1/10 Klein- und Kinderschulen in Flensburg
- 1/10 Sonntagsschule Flensburg
- 1/10 Mission zur Heidenbekehrung
- 1/10 die Gustav Adolf Stiftung
- 1/10 Blindenanstalt Kiel
- 1/10 Idiotenanstalt in Kiel und Sonderburg
- 1/10 die verschämten Armen im Kirchspiel Hürup und Flensburg
- und weitere Zwecke
Die andere Hälfte sollte zur „Hebung und Vervollkommnung der Landwirtschaft in Angeln und dem Kirchspiel Bau“ verwendet werden. Das Geld diente zum Beispiel:
- Junge Leute sollten Fortbildungen bezahlt bekommen
- Gründung von Musterwirtschaften
- Verbesserung des Meierei Betriebes
- Verbesserung der Viehzucht
- Verbesserung von landwirtschaftlichen Geräten
- Verbesserung der Obstbaumzucht
- Kostenübernahme von Kranken aus dem landwirtschaftlichen Bereich, die in der Diakonissenanstalt (Krankenhaus in Flensburg) behandelt werden mussten
Am Ende des Testaments von Hans Hansen Fischer steht:
Möge Gottes reicher Segen ruhen auf meiner Stiftung und auf allem,was die Administration zur Erreichung ihrer Zwecke vornehmen wird, dann ist das Gut, dass ich durch Gottes Segen im Schweiße meines Angesichts erworben habe, auch für andere und namentlich die Bevölkerung einer Landschaft, in der ich so viele glückliche Jahre verlebt habe und deren wahres Wohl mir stets am Herzen lag, gesegnet und Segen bringend geworden.
Am 29. April 2026, am 150. Todestag von Hans Hansen Fischer fand in der St. Marien Kirche zu Hürup ein Gedenkgottesdienst im Beisein des letzten Kurators der Fischer Stiftung Herrn Niklaus Outzen statt.
Die Stiftung Gottesgabe wurde im Jahre 2018 aufgelöst. Das restliche Stiftungsvermögen in Höhe von fast 4.500 € wurde 2026 dem Flensburger Bürgerfond zugeführt.
Zahlreiche Menschen haben sich dafür eingesetzt, dass nach der Einebnung des Grabes in Adelby das Andenken an Hans Hansen Fischer und seiner Stiftung erhalten bleibt. Dies ist nun mit dem Aufstellen des Grabmahles im Kirchspiel seiner ehemaligen Wirkungsstätte hoffentlich erreicht.
Ein Text von Ute Hansen und Peter Gregersen, Weseby
Quellen
- Unterlagen der Stiftung „Gottesgabe“
- Johannes Lorenzen, 1991, Gemeinde 2395 Hürup, Chronik des Kirchspiels Hürup
- Kreiskalender für den Landkreis Flensburg, 1908, Seite 93-95, Ocke Christian Nerong
- Stadtarchiv Flensburg
- Hüruper Gemeindearchiv Hans Otto Knutzen, Artikelsammlung „Fischerstiftung Gottesgabe“